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Los Schöpfung!

16.07.2019 | Kirchenblatt 105 - Geistliches Wort

Was für eine Pracht umgibt uns im Sommer: Mächtige Bäume, wogende Getreidefelder, blühende Gärten. Zwischen Häusern und Straßen präsentiert sich die Natur kraftvoll und üppig. Es ist schwer zu glauben, dass das alles gefährdet ist: Hitze und Dürre, Insektensterben, Rückgang der Pflanzenvielfalt. Auch Paulus wird die Natur als kraftvoll erlebt haben. Trotzdem schreibt er (Römer 8, 19ff ): „Die gesamte Schöpfung wartet ja sehnsüchtig darauf, dass die Kinder Gottes in ihrer ganzen Herrlichkeit sichtbar werden. Denn die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, allerdings ohne etwas dafür zu können. Sie musste sich dem Willen dessen beugen, der ihr dieses Schicksal auferlegt hat. Aber damit verbunden ist eine Hoffnung: Auch sie, die Schöpfung, wird von der Last der Vergänglichkeit befreit werden und an der Freiheit teilhaben, die den Kindern Gottes mit der künftigen Herrlichkeit geschenkt wird.“ Die Menschen - so die exemplarische Erzählung von Adam und Eva - haben die Erde, Himmel, Tiere, Pflanzen mitgerissen in ihre Abkehr von Gott, in die Folgen ihrer Willkür. Wir Menschen sind verantwortlich für das, was in dieser Welt passiert, die Natur ist es nicht. Die Schöpfung teilt aber unser Los. Sie leidet unverschuldet mit und sehnt sich nach Erlösung: nach eben der Erlösung, die wir in Jesus Christus glauben, sehnt sich auch jeder Baum und jeder Vogel: der Tod wird nicht mehr sein, kein Leid, kein Geschrei. Was Jesus tut, gilt nicht nur den Menschen, es gilt der ganzen Schöpfung. Sie leidet und feiert immer mit: An Weihnachten spenden Schafe, Ochs und Esel etwas Wärme im Stall. Ein Esel trägt Jesus zu seiner Inthronisation am Kreuz und die Bäume breiten dafür einen grünen Teppich. Im Moment des Todes Jesu bebt die Erde. Der Auferstandene begegnet Maria in einem Garten - da geht die Sonne auf. Menschen, Tiere, Pflanzen fühlen miteinander die Zerbrechlichkeit und Gefährdung des Lebens, erleben zusammen den Anbruch der Erlösung, lieben, glauben, hoffen gemeinsam. Trotz der Worte des Paulus kommt die Natur nicht vor in unserem Glauben an Jesus Christus. Das ist insofern verständlich, als die Schöpfung keine Versöhnung mit Gott braucht, die wiederum im Zentrum unserer lutherischen Theologie steht. Aber das Ziel der Versöhnung mit Gott, das unverletzte, wunderbare, ewige Leben erreicht auch sie. Dahin sehnen wir uns gemeinsam. Es ist höchste Zeit, dass wir Tiere, Pflanzen, die ganze Natur emotional und geistig, in Wort und Tat in unser Christsein einbeziehen. Das Heil, das Jesus Christus uns erworben hat, gilt auch für die Schöpfung. Und wenn wir aus unserem Glauben heraus etwas heil machen, Mitgefühl üben, fürsorgliche Gemeinschaften und Gemeinden bauen, dann gehört unsere Schöpfung da mit rein. Wie wir Menschen braucht sie unsere Solidarität und Stärkung. Mit unserer Erlösung geht es auch für die Schöpfung neu los! Ich würde gerne mit Ihnen darüber nachdenken, wie das in unserer Kirchengemeinde konkret losgehen kann. Ihre Pastorin Ursula Sieg

Artikel ist erschienen im Kirchenblatt 105 der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Ahrensburg